December 2, 2009


Vision für Stuttgart 22 – neuer Bahnhof konzentriert Lebensqualität

Stuttgart / Ludwigsburg: Prof. Tobias Wallisser, Co-Architekt des Mercedes-Benz Museums, stellt in seinem Vortrag beim Creativity World Forum erstmals die, von den Architekten von LAVA zusammen mit Prof. Matthias Schuler von Transsolar Energietechnik, konzipierte Vision Stuttgart 22 vor. Die Erfahrungen des Teams zeigen, dass die Innovationen für eine CO²-neutrale Stadt wie Masdar City in Abu Dhabi längst auch in Stuttgart anwendbar sind. Der Bahnhof als öffentliches Tor zur Stadt, ein von 220.000 Reisenden am Tag frequentierter Verkehrsknoten und die Energiezentrale für das neue Stadtviertel sind die Kerninhalte des überzeugenden Konzepts.


Ein Bahnhof ist ein Ort voller Aktivität. Menschen auf Reisen, auf dem Weg zur Arbeit und Schaulustige treffen hier aufeinander. Bahnhöfe, die in der Wende zum 20. Jahrhunderts gebaut wurden, sollten den Ankommenden die Pracht der Stadt in der Gestaltung des Bauwerks vor Augen führen. Der Ankommende sollte staunen können. Dem Architekten Paul Bonatz ist dies mit dem Stuttgarter Hauptbahnhof im Jahre 1912 gewiss gelungen. An der Funktion des Bahnhofes hat sich bis heute nichts geändert. Nur die Zeit in der unsere Gesellschaft heute lebt hat sich beschleunigt und damit haben sich die Bedürfnisse der Menschen im Lebensraum Stadt geändert. Längst ist es an der Zeit den Stuttgarter Hauptbahnhof vom prächtigen „Tor“ zur ehemalige Residenzstadt nach den Anforderungen unserer Zeit zu transformieren und dabei das baukulturelle Erbe zu achten. Lebensqualität am Anfang des 21. Jahrhundert zu bieten heißt: kurze Wege zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu schaffen, bezahlbare Wohnflächen in zentraler Lage mit den Vorraussetzungen für ein attraktives soziales Umfeld anzubieten, den Energiebedarf zu reduzieren und CO²-neutral zu gewinnen.
Die Vision für Stuttgart 22 – Bahnhof der Zukunft – beinhaltet all diese Anforderungen in einem innovativen und überzeugenden Konzept: Die Gleisanlagen im lichtdurchfluteten und öffentlichen Raum, überdacht von einem Solardach, gekrönt von einem 200m hohen Glasturm – so könnte in Stuttgart der Bahnhof 100 Jahre nach dem Bau der berühmten Anlage von Bonatz aussehen

In seinem Vortrag beim Creativity World Forum in Ludwigsburg stellte Prof. Tobias Wallisser, bekannt als Co-Architekt des Mercedes-Benz Museums die Vision Stuttgart 22 vor, die von den Architekten von LAVA zusammen mit Prof. Matthias Schuler von Transsolar Energietechnik konzipiert wurde.
„Stuttgart 22 erfüllt in ersten Linie die drei Zielsetzungen: öffentliches Tor zur Stadt, ein von 220.000 Reisenden am Tag frequentierter Verkehrsknoten und die Energiezentrale für das neue Stadtviertel (Bahnhofsanlage und 3000 Haushalte). Damit wird Stuttgart 22 zu einem Symbol nachhaltiger Stadtentwicklung und innovativer Technik.“ erklärte Prof. Tobias Wallisser.
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Kernbestandteil des Konzepts ist die Umwandlung des Bahnhofs in einen zeitgemäßen Knotenpunkt im Hochgeschwindigkeitsnetz Europas. Der Bonatzbau bleibt erhalten, die Seitenflügel werden zu einem Rahmen um die Gleisanlagen verlängert. Aus der Dachkonstruktion des Industriezeitalters mit seinen Dampflokomotiven wird ein lichtdurchfluteter öffentlicher Verkehrsraum mit Sicht auf den Park, überdacht von einem Photovoltaikdach in Kombination mit einem Aufwindturm.
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Das Aufwindkraftwerk basiert auf einer Technologie, die vom anerkannten Stuttgarter Ingenieur Jörg Schlaich entwickelt wurde. Hierzu wird ein ca. 200 m hoher Turm benötigt. Die Luft in einem durchgehenden Zwischenraum des Daches über den Bahngleisen erwärmt sich, wird durch die Kaminwirkung des Turmes nach oben gedrückt und treibt dabei eine Turbine an.
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In zweiter Linie findet eine städtebauliche Neuordnung des Bahnhofareals mit der angrenzenden Bebauung und des Parkareals „Schlossgarten“ statt. Die Bahngleise werden um 4 m abgesenkt, sind so leichter zu überqueren und befinden sich auf der Höhe der Königstrasse. Die Verbindung von Bahnhof und Königstrasse wird zum autofreien, städtischen Bahnhofsvorplatz; statt Klettpassage nimmt ein Tunnel den Autoverkehr auf. Stuttgart 22 sieht vor architektonische Verbindungselemente zu schaffen, die das neu entstehende Baufeld um die Bibliothek mit dem Park zusammenbringen und gleichzeitig mittels diagonal zu den Gleisanlagen angeordneter Brücken das Bahnhofsviertel und die Innenstadt direkt verbinden zu können. Der Park formt dabei den zentralen Ausgangspunkt, die anliegende Bebauung ist so angeordnet, dass die Blickachsen nicht verstellt werden. Insgesamt werden ca. 200.000 qm Fäche realisierbar. Die trennende Wirkung der Bahnlinie kann durch Verbindungsbauten entschärft werden. Die Gebäude am Rande oder über den Bahngleisen beinhalten Büros, Geschäfte und öffentliche Nutzungen, im Baufeld um die Bibliothek entstehen vorwiegend Wohnungen. Die Kosten der Vision Stuttgart 22 liegen höher als das reine Belassen des Kopfbahnhofes, sind aber wesentlich niedriger als im Projekt Stuttgart 21.
Prof. Tobias Wallisser brachte es am Ende seines Vortrags auf den Punkt: „Der neue Bahnhof muss Ausdruck der Integration umweltfreundlicher Technik in die Stadt zur Schaffung größtmöglicher Lebensqualität sein. Er soll Stuttgart als Ort fortschrittlicher und resourcenoptimierter Stadtentwicklungsplanung zeigen und das vorhandene Innovationspotential erlebbar machen.