Leserbrief zum Thema „Die Ära Mehdorn“ von Fridtjof Schmidt-Eisenlohr
Stuttgart den 22. April 2009


Alle Berichte sagen aus, dass Hartmut Mehdorn wegen des Datenskandals sein Amt
aufgeben musste, aber ansonsten ein sehr erfolgreicher Manager der DB AG war.
Seine Tätigkeit als Manager möchte ich als externer Beobachter etwas beleuchten.
Herr Mehdorn hat immer mit den positiven Bilanzen der DB AG geglänzt.
Diese kamen u.a. dadurch zustande, da der Staat erhebliche Zuschüsse in den
Nahverkehr investierte,
Die Züge des Nahverkehrs werden bezahlt, unabhängig davon, wie viele Personen
damit befördert werden. Dieser Posten macht ca. 7 Milliarden Euro pro Jahr aus.
Zu Zeiten der Deutschen Bundesbahn wurden solche Kosten als Verluste eines
maroden Beamtenbetriebes bezeichnet.
Viel Geld wird auch mit den Einnahmen aus der Steckennutzung durch andere Bahngesellschaften, speziell im Güterverkehr verdient. Da hat die DB AG ein Monopol
und erhöht die Preise nach Gutdünken.
Als Herr Mehdorn seinen Posten antrat war die DB AG weitgehend schuldenfrei, da die Bundesregierung im Jahre 1994 alle Schulden der Bundesbahn und der Reichsbahn übernommen hatte.
In der etwa 10-jährigen Amtszeit von Herr Mehdorn sind die Schulden auf
ca. 17 Milliarden Euro angewachsen. Darüber hat er öffentlich nie gesprochen.
Herrn Mehdorn hat die Bahn als Verkehrsmittel an sich nicht besonders interessiert.
Er wollte mit dem Unternehmen ein Global Player sein. Daher kaufte er weltweit verschiedene Verkehrsunternehmen auf, deren Nutzen für die Bahn schwer einzuschätzen ist.
In Deutschland ließ er viel auf der Strasse transportieren, obwohl es auch auf der
Schiene möglich gewesen wäre.
Sein ganzes Handeln war auf den reinen Profit ausgerichtet, um dann an die Börse
gehen zu können. Angesichts der Weltwirtschaftskrise haben Politiker in letzter Sekunde die Notbremse gezogen.
In der Ära Mehdorn gab es mehr Fahrpreiserhöhungen als jemals davor.
Dem Verkehrsminister Herr Tiefensee gelang es nicht, diesem Treiben entgegenzuwirken.
Es seien 3 typische Flops der Ära Mehdorn genannt, welche die Fahrgäste verärgerten.
1. sollte ein Preissystem eingeführt werden, das bei Fluggesellschaften üblich ist, das
aber nicht auf einen Bahnbetrieb übertragen werden kann. Als alles schief ging, wurden zwei Manager gefeuert.
2. hatte er die Idee, die Speisewagen abzuschaffen, weil diese nicht genügend Gewinn abwerfen. In Wagen, bei denen die Einrichtung des Speisewagens bereits ausgebaut
waren, wurden diese Einrichtungen mit großem Aufwand wieder eingebaut.
3. wollte er eine Gebühr für den Kauf von Fahrkarten am Schalter einführen, obwohl diese
seit es Eisenbahnen gibt, schon bei der Fahrpreisgestaltung berücksichtigt sind.
Diese 3 Versuche sind an den Protesten von Fahrgastverbänden und nach langem Zögern
von der Regierung verhindert worden.
Die Infrastruktur wurde in der Ära Mehdorn entweder vernachlässigt (Bahnhöfe) oder kaputt rationalisiert (Strecken). Da er jede Weiche nur als Kostenfaktor sah, wurden viele Überleitstellen auf 2-gleisigen Hauptstrecken, die für einen zuverlässigen Betrieb notwendig sind, entfernt. Auf Nebenstrecken wurden alle seiner Meinung nach unnötigen Gleise abgebaut.
Diese führte dazu, dass bei geringsten Verspätungen von Zügen, was sich gar nicht verhindern lässt, der Verkehr massiv behindert wurde. Die Nebenstrecken wurden bis zur Unbrauchbarkeit gesund rationalisiert.
Man kann nur hoffen, dass der neue Bahnchef einiges besser macht, vor allem was den Umgang mit den Mitarbeitern und den Bahnkunden angeht.

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Anmerkungen von Siegfried Busch vom 1. August 2009

Mit seinen Ausfällen gegen den Stuttgarter „Sackbahnhof Marke Kaiser Wilhelm“ hatte Mehdorn ein Eigentor geschossen und den Widerstand gegen den geplanten Tiefbahnhof gesteigert. Ein deutliches Exempel für den Absahner Mehdorn ist Stuttgart 21:

1. er verkauft Flächen, die der Bahn gehören (wirklich, gehören sie nicht dem Bund?) an die Stadt Stuttgart und „spart“ die Zinsen für die Jahre vor der Nutzung dieser Grundstücke

2. er lässt den größeren Teil der Kosten von S21 vom Bund, Land und der Stadt bezahlen (= Steuerzahler)

3. eine Wirtschaftlichkeitsrechnung legt er nicht vor. Der Flughafen gibt mal schnell 112 Millionen „zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit“...

4. das Baudenkmal Bonatz-Bahnhof lässt er verlottern (dazu hunderte von Bahnhöfen bundesweit!)

Meine eigenen Erfahrungen mit der Deutschen Bahn in der Ära Mehdorn sind häufig nicht erfreulich, Verspätungen, Zugausfälle und mangelhafter Service hat die Ära Mehdorn nicht gemildert, sondern verstärkt. Die auf Profit getrimmte Bahn hatte den Kunden vernachlässigt. Dass der Steuerzahler die Bahn mitträgt, hat Prof. Bodack in einem deutlichen Artikel beschrieben, der hier angehängt ist, erschienen in der Eisenbahn-Revue 8-9-/2009
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ERI 2009 8-9 S1
ERI 2009 8-9 S2